Therapieunterstützung im App Store bisher kaum relevant

Bestandsaufnahme im App Store: Wo sind die Apps, die Patienten konkrete Hilfestellung bei der Umsetzung ihrer Therapie bieten?

HealthBytes hat den App Store in den Kategorien „Medizin“ und „Gesundheit & Fitness“ analysiert. Dabei wurden in den beiden Kategorien jeweils die Top 100 bezahlten und unbezahlten Apps betrachtet und nach Funktionalität kategorisiert.

App Store Analyse: Apps mit Gesundheitsbezug

Auffallend ist der geringe Anteil an Apps (3%), die konkrete Therapieunterstützung bei langfristigen Therapien oder chronischen Krankheiten leisten.

Von den verbleibenden 97% entfallen allein 37% auf Apps, auf weitgehend statische Informationsangebote (Medizinische Themen und Gesundheitsthemen aber auch Fitness und Ernährung), die keine weitergehende Funktionalität oder Interaktivität bieten. Danach folgten Apps, die beim Sport (13%) oder bei der Ernährung (11%) unterstützen, z.B. durch Tagebuchfunktionalität.

Gute Akzeptanz von Apps auf Rezept (Nachtrag zu Artikel: Erste Diabetes App auf Rezept)

Wie vor einigen Tagen berichtet, wurde in den USA die erste rezeptpflichtige Diabetes App angekündigt: BlueStar unterstützt Diabetiker bei der Therapieumsetzung und ist ausschließlich auf Rezept erhältlich (HealthBytes Artikel).

Patienten äußern sich deutlich positiv gegenüber einer App auf Rezept

Passende Erkenntnisse zur Akzeptanz auf Patientenseite liefert eine aktuelle Studie von DigitasHealth, die in den USA durchgeführt wurde. Der größte Teil der befragten Patienten (90%) würden eine von ihrem Arzt verschriebene App annehmen (Artikel auf PMLive).

Online-Therapie für psychische Erkrankungen: 5 Mio. USD Finanzierung für US-Startup Breakthrough

Nicht nur in Deutschland herrscht ein Engpass bei der Betreuung psychischer Erkrankungen: 50% der ca. 67 Mio. US-Amerikaner, die unter psychischen Erkrankungen leiden, erhalten keine Behandlung. Wie TechCrunch heute berichtet, hat das US-Startup BreakTrough 5 Mio. USD Series A Finanzierung vom Investor The Social+Capital Partnership (S+C) erhalten. Ähnlich wie bereits existierende Ansätze in Deutschland sieht BreakThrough das therapeutische Potenzial von Online-Angeboten, geht dabei aber noch weiter: Während z.B. deprexis eine reine „Software-Therapie“ ist, integriert BreakThrough Patientengespräche auf Videokonferenzbasis. So will BreakThrough nicht nur die Zeit bis zur ersten Behandlung überbrücken, sondern in Kooperation mit akkreditierten Therapeuten auch eine dauerhafte Betreuung von Patienten z.B. in unterversorgten Regionen ermöglichen.

Für S+C ist BreakThrough nicht das erste Investment in Digital Health: Durch Investitionen in Firmen wie Asthmapolis oder Syapse rangiert der Investor aus Palo Alto im jüngsten Rock Health Digital Health Funding Update auf den vorderen Plätzen.

IMS: Fehlende Medikamenten-Compliance kostet US-Gesundheitssystem ca. 200 Mrd. USD in 2012

In einem Ende Juni veröffentlichten Report beziffert IMS die Kosten fehlender Medikamenten-Compliance in den USA auf 213 Mrd. USD in 2012. Dies entspricht ca. 8% der US-Gesundheitsausgaben im gleichen Jahr. Die Analyse beruht auf einer im Oktober 2012 veröffentlichen weltweiten Erhebung zum Umgang mit Medikamenten. Ca. 50% der Kosten werden dabei laut IMS auf Nicht-Adhärenz verursacht, d.h. die Nicht- oder Falsch-Einnahme durch den Patienten:

Treiber für Kosten der Nicht-Adhärenz in den USA (IMS Institute, 2013)

Bei einem Vergleich mit den geschätzten Kosten der Nicht-Adhärenz in Deutschland erscheint die Größenordnung nicht vollkommen abwegig. So kommt die jüngste Schätzung (booz & co. und Bertelsmann-Stiftung auf direkte Kosten von ca. 35 Mrd. € im Jahr. Gemessen an den deutschen Gesundheitsausgaben ist dies zwar höher als die IMS-Zahl, allerdings wird der Adhärenz-Begriff in der entsprechenden Studie auch weiter gefasst als die Medikamenteneinnahme.

US-VC-Investitionen in Digital Health unverändert hoch

Nach den neuesten Zahlen von RockHealth sind in 2013 bisher 849 Mio. USD Risikokapital in Digital Health geflossen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einer Steigerung von 12%, wobei dieser Zuwachs vor allem auf ein starkes erstes Quartal zurückgeht.

VC-Investment in Digital Health Q1-Q2 2013

RockHealth attestiert nach wie vor Anwendungen für Patienten einen hohen Stellenwert: Mit „Wellness“ und „Personal Health Tools and Tracking“ drehen sich zwei von fünf Megatrends rund um das Thema „gesünderes Patientenverhalten“. In ersterer Kategorie sieht RockHealth Angebote und Anreizschemata, die sich z.B. an Arbeitgeber richten können (z.B. das Corporate Wellness Programm Keas). In die zweite Kategorie fallen Angebote rund um die Themen Quantified Self (z.B. Tracking-Devices wie das Basis) und Patientenvernetzung (z.B. PatientsLikeMe). Als weitere Trends werden die digitale Gesundheitsakte, Big Data und Telemonitoring genannt, denen zuletzt bereits in mehreren Studien großes Potenzial attestiert wurde.

EBM-Ziffer für Telemedizin: Erster Schritt zur App auf Rezept in Deutschland?

Die Krankenkassen prüfen gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung die Übernahme von den bei Ärzten angefallenen Kosten für Telemedizin (Bericht der Ärztezeitung vom 27.06.2013).

Wie eine entsprechende EBM Ziffer im Detail aussehen wird, ist noch offen. Die Rahmenvereinbarung sieht aber laut Ärztezeitung eine Reihe von Leitlinien vor:

  • Das Fernbehandlungsverbot bleibt unberührt
  • Ebenso wird der Grundsatz der persönlichen Leistungserbringung nicht angetastet
  • Datenschutzstandard und Qualitätssicherungsmaßnahmen sollen im Rahmen der Ziffer ebenfalls geregelt werden

Jetzt bleibt abzuwarten, ob und in welcher Form Apps von der Regelung mit abgedeckt werden, oder gar explizit berücksichtigt werden. Aber vielleicht ist das der erste Schritt zur App auf Rezept, wie jüngst in den USA geschehen (Artikel zu BlueStar).