Deutsche Digital Health Startups locken Investoren

Deutsche Digital Health Investments nehmen zuDie zunehmende Zahl von Digital Health Startups im deutschsprachigen Raum lässt eine wachsende Zahl von Investoren auf den Plan treten. Wir haben uns die Investorenlandschaft angesehen und drei Trends identifiziert, die weiteres Wachstum erwarten lassen:

  1. Business Angels entdecken Digital Health: Mit Dr. Johann („Hansi“) Hansmann (z.B. MySugr, Diagnosia) , verfügt die österreichische Szene über einen der erfahrensten Digital Health Investoren im deutschsprachigen Raum. Aber auch deutsche Internet-Investoren wie Christophe Maire, Martin Sinner und Lucas von Cranach investieren inzwischen in das Thema Gesundheit.
  2. Entstehung spezialisierter Investoren: Innovative Startups wie BetterDoc konnten den DocCheck-Gründer Dr. Frank Antwerpes überzeugen, mit Guano ein spezialisiertes Investment-Vehikel aus der Taufe zu heben. Auch CompuGroup Gründer Frank Gotthardt glaubt an innovative digitale Gesundheitslösungen: Mit XLHealth möchte er sich als Inkubator, Accelerator und Investor an Startups beteiligen. Für die nächsten drei Jahre plant er dabei ein Investitionsvolumen von 50 Mio. €. Und mit Peppermint’s Investment in Emperra unternimmt auch ein etablierter MedTech/BioTech-Investor seine ersten digitalen Gesundheits-Investments.
  3. Digital Health als strategische Priorität für Konzerne: Für die Deutsche Telekom ist e-Health bereits heute ein strategisches Konzerngeschäftsfeld. Über Ihren VC-Ableger T-Venture ist sie z.B. bei BodyTel investiert. Über ihr Accelerator-Programm hub:raum unterstützt sie das Dermatologie-Startup goderma und den Anamnese-Anbieter PocketAid. Ähnlich erklärt sich die Allianz-Versicherung mittels ihres Digital Accelerators als Anlaufstelle für Gesundheits-Startups. Und auch erste deutsche Pharmaunternehmen engagieren sich:  So unterstützt z.B. Boehringer-Ingelheim über seinen US-Arm den US-Accelerator RockHealth.

Auch wenn der Nachholbedarf gegenüber dem boomenden US-Markt noch immens bleibt, scheint die Ausgangssituation für digitale Gesundheits-Startups im deutschsprachigen Raum bereits jetzt besser zu sein als je zuvor.

Gesünder durch Apps: Fünf innovative Motivationsansätze

Möhre am StockViele digitale Gesundheitsangebote setzen auf (Sekundär-)Prävention durch gesünderes Verhalten. So machen präventive Kategorien wie Fitness, Ernährung oder Compliance/Adhärenz eine wesentlichen Teil des Gesundheitsangebotes der App-Stores aus. Wie wirksam die Ansätze sein können, zeigen erste Studien. Wir haben einen „Kassensturz“ der aktuell im Markt sichtbaren Motivationsansätze gemacht – nicht nur im Gesundheitsbereich. Dabei haben wir fünf Ansätze identifiziert, die aus unserer Sicht das Potenzial haben, Patienten alleine oder in Kombination zu gesünderem Verhalten zu motivieren:

  1. Live Feedback: Direkte Rückmeldungen zum eigenen Handeln verändern das Verhalten: So bewirkt z.B. die bloße Messung und Anzeige der Geschwindigkeit ein langsameres Fahren. Apps wie MyFitnessPal und das (inzwischen eingestellte) 100plus nutzen diesen Mechanismus.
  2. Gamification: Gute Spiele fesseln. Dieses Prinzip machen sich Apps wie der MySugr  Companion oder SuperBetter zunutze: Durch Schaffung eines spielerischen Kontexts geben sie dem Patienten eine Mission und halten ihn dauerhaft am Ball.
  3. Gratification: Bonuspunkte haben sich nicht nur in der Luftfahrtindustrie bewährt: Apps wie ShopKick motivieren Nutzer zum Kauf durch ortsbasierte Zuspielung von Angeboten. Diesen Mechanismus nutzt auch MangoHealth: Patienten die ihre Therapie konsequent umsetzen, erhalten Einkaufsgutscheine. In diesem Zusammenhang auch interessant ist die App Pact (früher GymPact): Nutzer zahlen in einen Topf ein, aus dem wiederum Nutzer für das Erreichen Ihrer Fitness- oder Ernährungsziele („Pacts“) bezahlt werden.
  4. UI/UX (User Interface / User Experience): Eine durchdachte, attraktive Nutzerschnittstelle kann lästige Tätigkeiten erfreulicher machen. So macht das lästige sortieren des Posteingangs mit der App Mailbox beinahe Spaß. Apps wie Wunderlist definieren sich sogar primär über die einfache und ansprechende Bedienbarkeit.
  5. Social: Wie stark soziale Interaktion fesseln kann, zeigen die Nutzungsstatistiken von Facebook. Angebote wie Audax Zensey und Dacadoo nutzen soziale Komponenten, um Gruppendynamik zu erzeugen. Auf PatientsLikeMe führen z.B. unter ALS leidende Patienten detaillierte Patiententagebücher, um sich auf Basis ihrer Beschwerden und Medikamente mit anderen Betroffenen zu vernetzen.

Für sich genommen und konsequent umgesetzt bietet jeder der beschriebenen Ansätze aus unserer Sicht bereits ein großes Potenzial. Gut kombiniert haben sie das Zeug, viele Menschen zur Prävention zu motivieren die Gesundheit im großen Stil zu verbessern.