HealthKit: Apple schafft Grundlage für Boom bei Gesundheits-Apps


Das Echo auf Apple’s Ankündigung von HealthKit war gemischt: Für die einen ist es revolutionär, für andere nur ein weiterer Anlauf. Aus unserer Sicht hat Apple gerade mit Blick auf die Entwickler alles richtig gemacht und wird mit HealthKit Gesundheits-Apps in den Massenmarkt befördern. Dafür sehen wir sechs Gründe:

  1. Keine App, sondern Infrastruktur für Entwickler: Mit HealthKit stellt Apple Entwicklern ein mächtiges Framework zur Verfügung, um Gesundheitsdaten einfach zentral zu speichern und abzurufen. Während Apple’s eigene HealthApp zwar die gespeicherten Daten anzeigen kann, wird die Nutzer-Interaktion in handlungsorientierten Anwendungen stattfinden, die die geschaffenen Schnittstellen nutzen. Apple tritt damit (wohl bewusst) nicht in den Wettbewerb mit Anwendungsentwicklern.
  2. Entwickler können sich auf Use Cases konzentrieren: Will ein Anbieter einer Fitness-App den Nutzer-Puls dokumentieren, so investiert er heute einen Großteil seiner Entwicklungsarbeit nicht in die Entwicklung der besten User Experience (UX), sondern in die Anbindung entsprechender Pulsuhren etc.. Dank HealthKit können sich Entwickler zukünftig darauf konzentrieren, bestmöglich den jeweiligen Use Case abzubilden und können wirtschaftlich maßgeschneiderte und zugleich vernetzte Apps zur Verfügung stellen, auch für Nischenanwendungen.
  3. HealthKit adressiert die Datenschutz-Sorgen der Anwender: Gesundheitsdaten sind sensibel und die Sorge vor Missbrauch ist ein wesentlicher Grund für Nicht-Nutzung. Apple löst dies in HealthKit elegant: Nutzer müssen je App gesondert festlegen, ob sie Daten aus HealthKit lesen oder Daten nach HealthKit schreiben darf. Die Freigabe erfolgt dabei auf Einzeldatenpunktebene. HealthKit selbst legt die Daten verschlüsselt auf Systemebene ab.
  4. Daten prinzipiell über iOS hinaus nutzbar: Entsprechende Anwendungen vorausgesetzt, können Nutzer prinzipiell all ihre Daten aus HealthKit auslesen und „mitnehmen“. Zwar ist es mit HealthKit für Entwickler extrem einfach und attraktiv, Anwendungen spezifisch für iOS zu entwickeln. Entwickler behalten aber die Möglichkeit, die Daten unabhängig von HealthKit zu speichern und damit auch plattformübergreifend zu nutzen.
  5. HealthKit als solches kein Medizinprodukt: Wesentlicher Komplexitätstreiber in der Entwicklung von Gesundheits-Apps sind national unterschiedliche Aspekte der Regulierung, u.a. bezüglich einer möglicherweise notwendigen Zertifizierung als Medizinprodukt. Da HealthKit keine Anwendung ist, ist es weder therapeutisch noch diagnostisch – und damit auch kein Medizinprodukt. Die Nutzung von HealthKit durch Apps, die Medizinprodukt sind (z.B. MySugr), wird in der Zukunft zum spannenden Themenkomplex.
  6. iWatch-Boost inklusive: Apple hat zwar auf der WWDC keine iWatch präsentiert, mit HealthKit aber de facto bereits die zugehörige API veröffentlicht. Entwickler, die HealthKit unterstützen, werden damit ab Verfügbarkeit der iWatch deren Daten nutzen können. Den entsprechenden Marketing-Effekt bekommen sie gleich dazu.

In Summe senkt HealthKit die Schwelle für Entwickler deutlich und lässt eine deutlich steigendes Angebot an Gesundheits-Apps erwarten. Die einhergehende bessere Abdeckung nutzergruppen-spezifischer Bedürfnisse hat das Potenzial, Gesundheits-Apps zum Durchbruch zu verhelfen und die ambitionierten Wachstumsprognosen Wirklichkeit werden zu lassen. Einen detaillierteren Überblick über Potenzial und Funktionsweise von HealthKit gibt das ca. 1-stündige Video der HealthKit-Session von der WWDC 2014.

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