Am Arzt vorbei? Gros der Digital Health Startups in DACH fokussiert auf Patienten

Was sind die wichtigsten Zielgruppen deutschsprachiger Digital Health Startups? Und was sind die wichtigsten Use Cases aus Anbietersicht? Nach diese Kriterien haben wir versucht, den Digital Health Markt in Deutschland, Österreich und der Schweiz („DACH-Region“) zu kartieren.

Das wichtigste Ergebnis vorab: Die überwiegende Zahl der Angebote richtet sich ausschließlich oder zumindest auch an den Patienten. In einem Gesundheitssystem, in dem Patienten typischerweise nicht selbst zahlen, ist dies beachtlich. Lediglich eine überschaubare Menge von Angeboten richtet sich direkt an die Leistungserbringer. Das Ergebnis der Analyse haben wir in einer kleinen Infografik aufbereitet:

HealthBytes Analysis: German digital health offeringsby target group and use case

Einige weitere Muster sind aus unserer Sicht hervorzuheben:
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Viel Funding und der erste Exit: Digital Health in DACH mit starkem ersten Quartal

In wenigen Wochen mehr als 12 Mio. € Wachtumsfinanzierung und der Verkauf von Feingold Technologies an sharecare: Noch nie waren deutsche Gesundheits-Startups präsenter als im ersten Quartal 2015. Grund genug, die wichtigsten Entwicklungen nochmal in einem eigenen Post zusammenfassen.

Digital Health Funding Germany Austria Switzerland vs. USA: Q1/2015

 

Das Jahr beginnt mit Finanzierungswelle

Erst im März erklärte der deutsche Investor Capnamic E-Health zum Trendthema. Doch während die Kölner den Trend noch an Finanzierungsanfragen festmachten, machen andere Investoren und Startups schon Nägel mit Köpfen: Mit Clue, „Viel Funding und der erste Exit: Digital Health in DACH mit starkem ersten Quartal“ weiterlesen

TK-App vs. MySugr: Können Krankenkassen Digital?

Mit der neuen App „DiabetesTagebuch“ setzt die Techniker Krankenkasse (TK) auf ein ähnliches Konzept wie MySugr: Ein mobiler Begleiter als Ergänzung für die digitale Diabetiker-Schulung. In der Umsetzung zeigt die TK jedoch noch viel Luft nach oben, wie bereits ein einfacher Vergleich des Registrierungsprozesses deutlich macht.

TK-DiabetesTagebuch vs. MySugr-Tagebuch: Vergleich Registrierungsprozess

Es ist schwer vorstellbar, dass die TK so signifikant Downloads zu neuen Nutzern zu konvertiert. Der Fokus der App scheint aktuell also eher auf bereits existierende Nutzer des TK Diabetes-Coaching-Angebots zu liegen.

Bemerkenswert ist auch das implizite Commitment der TK. Offenbar ist man in Hamburg bereit, die digitale Lernkurve dauerhaft zu beschreiten und das erforderliche Know-How intern aufzubauen. Anders haben sich die Kollegen der österreichischen Sozialversicherungsanstalt (SVA) entschieden: Anstatt ein eigenes Angebot zu entwickeln, erstattet die SVA ihren versicherten Diabetikern seit kurzem die Kosten für Schulungen über die MySugr-Plattform. So profitieren in der Alpenrepublik Versicherung und Versicherte sofort vom bei MySugr über Jahre aufgebautem Experten-Wissen.

Wir haben uns trotz aller Hürden die Zeit genommen „TK-App vs. MySugr: Können Krankenkassen Digital?“ weiterlesen

So brachte 2014 den Durchbruch für Digital Health

Rekordkapitalzufluss in den USA, eine stark wachsende und immer besser organisierte Schar europäischer Startups und eine zunehmende Visibilität auch beim deutschen Durchschnittsverbraucher: Rückblickend hat 2014 das Zeug zum Jahr des Durchbruchs für Digital Health – auch außerhalb der USA. Hier die Zusammenfassung der aus unserer Sicht wichtigsten Entwicklungen:

>4 Mrd. USD Digital Health Funding in den USA

Nach den jüngsten Zahlen von RockHealth sind in 2014 alleine in den USA 4,1 Mrd. USD Venture Capital in Digital Health Startups geflossen. Das fünfte Rekordjahr in Folge ist damit nicht ’nur‘ eine Verdoppelung zu 2013, sondern entspricht grob dem Gesamt-Kapitalzufluss der letzten drei Jahre. Wie immer fließen dabei in die RockHealth-Zahlen nur Finanzierungsrunden mit einem Volumen >2 Mio. USD ein.

Digital Health Funding 2010 - 2014 Full Year

Die Megathemen 2014 waren „So brachte 2014 den Durchbruch für Digital Health“ weiterlesen

Digital Health 2014: Diese Startups bringen frischen Wind ins deutsche Gesundheitssystem

Vor einem knappen Jahr hatten wir das erste Mal die Landkarte der deutschsprachigen Gesundheits-Startups veröffentlicht. Inzwischen haben wir 33 anstatt von 20 Unternehmen auf unserer Liste, und das trotz einiger Abgänge – höchste Zeit also für ein Update. Natürlich sind nicht alle neu gelisteten Startups Neugründungen. An dieser Stelle danke für die Hinweise nach der letzten Veröffentlichung – Tips werden auch weiter gerne genommen.

Auch wenn wir dieses Mal ein wenig tiefer bohren (siehe Auswertungen unten), so bleiben wir unserem Suchraster treu: Auch in der aktuellen Ausgabe lassen wir Arztbewertungs- und Terminbuchungsportale außen vor, obwohl auch hier neue Anbieter wie z.B. PatientsBest das Feld betreten.

Digital Health Startup-Landkarte Deutschland Österreich Schweiz 2014

Um die gezeichnete Landschaft noch besser zu verstehen, haben wir uns ausgewählte strukturelle Daten zu den Unternehmen und Geschäftsmodellen angesehen. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

Durchschnittsalter 3 Jahre

Digital Health mag in den letzten beiden Jahren in DACH an Fahrt gewonnen haben, die Wurzeln liegen jedoch weiter zurück: Im Schnitt sind deutsche Gesundheits-Startups fast drei Jahre alt. „Digital Health 2014: Diese Startups bringen frischen Wind ins deutsche Gesundheitssystem“ weiterlesen

Überblick Datenschutzanforderungen (Gesundheits-)Apps

Datenschutzs für (Gesundheits-)AppsDer Datenschutz ist wohl eines der unbefriedigensten Themen für Anbieter von Online-Diensten: Mustergültiges Verhalten taugt kaum, um selbst positiv aufzufallen, das Fehlverhalten anderer hingegen schürt generelles Misstrauen gegen alle Angebote. Jüngster Aufreger: WhatsApp ändert seine Nutzungsbedingungen ohne die Nutzer zu informieren und ihr Einverständnis abzufragen. Doch zumindest für in Deutschland ansässige Anbieter gibt es klare Spielregeln. Die Orientierungshilfe des Düsseldorfer Kreises vom Juni 2014 gibt zu diesen einen guten Überblick und geht auch explizit auf Gesundheits-Apps ein. Ausgewählte Erkenntnisse im Überblick:

  • Information des Nutzers zur Verwendung der Daten: Vor der erstmaligen Nutzung ist der Nutzer durch Datenschutzbestimmungen über die erhobenen Daten und muss deren Verwendung zustimmen. Dabei muss auch der Zweck der App definiert sein, denn nur von diesem Zweck abgeleitete Daten dürfen überhaupt erhoben werden.
  • Tracking des Nutzers: Die Verfolgung des Nutzers über eindeutige Gerätenummern, IP-Adressen o.ä. ist nicht erlaubt. Grundsätzlich muss der Nutzer die Möglichkeit haben, ein etwaiges Tracking zu deaktivieren. Beim Ad-Tracking bietet Apple eine entsprechende Deaktivierung seit iOS7 auf Systemebene an und baut den Schutz der Privatsphäre mit iOS8 noch weiter aus.
  • Besondere Anforderungen an Gesundheits-Apps: Gesundheitsdaten zählen zu der Gruppe Daten mit „besonderem Schutzbedarf“. Für Entwickler bedeutet dies den konsequenten Einsatz von Verschlüsselung sowie ggf. die Integration zusätzlichen Authentifizierungsschwellen, um die Daten vor dem Zugriff unberechtigter Dritter zu schützen. Sofern eine App mit Patientendaten im gesetzlichen Sinne umgeht, sin die Anforderungen noch höher.

Die gut 30-seitige Orientierungshilfe beschreibt verständlich die Anforderungen und zeigt, dass der Nutzer in Deutschland sehr gut vor Missbrauch seiner Daten geschützt ist – theoretisch. Beispiele wie WhatsApp zeigen, dass konsequenter Datenschutz in der Praxis international einheitliche Mindesstandards erfordert.

Dass sich auch jenseits der Regulierung etwas tut, hat Apple mit der Veröffentlichung der jüngsten iOS8-Beta gezeigt. Im Rahmen dieser hat der Konzern auch die Nutzungsbedingungen für HealthKit angepasst: Eine Verwendung der Daten für nicht-gesundheitliche Zwecke – also z.B. zur Zuspielung von Werbung – schließt Apple nun explizit aus. Ein deutliches Zeichen für die Wichtigkeit des Nutzervertrauens für den Erfolg digitaler Gesundheitsangebote.

 

EU-Studie: eHealth erreicht Allgemeinärzte, Deutschland mit Potenzial

Die EU hat in einer großangelegten Studie die eHealth-Durchdringung bei Allgemeinärzten (‚General Practitioners‘ bzw. ‚GPs‘) erhoben. Das Fazit: eHealth setzt sich auch bei Allgemeinärzten bzw. Hausärzten zunehmend durch. Im Ländervergleich bewegt sich Deutschland dabei im hinteren Mittelfeld.

Im Vergleich zu einer Vorgängerstudie von 2007 hat sich die eHealth-Durchdringung um insgesamt ca. 50% erhöht. Getrieben wird dies vor allem vom (in Deutschland nicht verfügbaren) eRezept sowie einem zunehmenden digitalen Datenaustausch zu administrativen Zwecken:

EU eHealth-Studie: Relative Zunahme eHealth-Durchdringung 2007-2013 (Allgemeinärzte)

 

Auch in Deutschland ist die Durchdringung seit 2007 deutlich gewachsen, mit 31% aber unterproportional. Von den insgesamt 31 untersuchten Ländern landet Deutschland damit auf Platz 17 und so unter dem EU-Durchschnitt:

eHealth adoption among EU GPs: Composite Index

 

Deutschland im Detailvergleich

Die Gesamtbewertung je Land ist das Ergebnis einer Befragung von ca. 9.000 Allgemeinärzten im Zeitraum Januar bis März 2013. Wir haben uns die vier Befragungsdimensionen und das jeweilige Abschneiden Deutschlands genauer angesehen:

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„Die Internetmedizin steht da, wo Handys vor 20 Jahren standen“ – Dr. Markus Müschenich im Interview

Dr. Markus Müschenich
Dr. Markus Müschenich

Das Internet macht zunehmend gesund: Eine Vielzahl von Anwendungen motiviert Patienten zu einem gesünderen Lebensstil oder unterstützt ärztlich verordnete Therapien. Weiter noch gehen Anwendungen, die unter dem Begriff „Internetmedizin“ gruppiert werden: Sie ergänzen nicht bestehende Verfahren, sondern können Arztbesuche ersetzen oder gar einen gänzlich neuen Therapieansatz darstellen. So bietet beispielsweise das Hamburger Startup Tinnitracks eine digitale Tinnitus-Therapie per mp3-Player. Dr. Markus Müschenich ist Vorstand des Bundesverbands Internetmedizin und stand uns Rede und Antwort zu Potenzial und Herausforderungen dieses innovativen Digital Health Segments:

Herr Dr. Müschenich, wie würden Sie Internetmedizin in einem Satz definieren?
Es gibt eine offizielle Definition, die lautet:

Internetmedizin bezeichnet die interaktive Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Krankheiten und Verletzungen unter Nutzung des Internets und seiner Applikationen [1]

Diese Definition orientiert sich an der Diktion des Sozialgesetzbuchs und zeigt, dass Internetmedizin keine alternative Medizin ist, sondern die nächste Evolutionsstufe dessen, was wir alle zeitlebens kennengelernt haben. Wesentlich alltagstauglicher ist diese Definition:

Internetmedizin ist Gesundheitsversorgung nach dem iPhone-Prinzip. Also vernetzte Medizin in Echtzeit, alltagstauglich und der Patient bestimmt den Prozess.

Durch Vernetzung gibt die Internetmedizin dem Patienten somit nicht nur Zugang zu Informationen, sondern „„Die Internetmedizin steht da, wo Handys vor 20 Jahren standen“ – Dr. Markus Müschenich im Interview“ weiterlesen

Betriebliche Gesundheitsförderung mit Digital Health

Healthbytes: Betriebliches GesundeheitsmanagementUnternehmen entdecken zunehmend das Potenzial digitaler und mobiler Angebote, um ihre Belegschaft gesund zu halten. Und das aus gutem Grund: Eine Reduzierung krankheitsbedingter Ausfälle ist bares Geld Wert. Im US-Versicherungssystem profitieren Arbeitgeber durch niedrigere Versicherungskosten noch zusätzlich von gesunden Mitarbeitern – und haben somit einen weiteren direkten Anreiz für effektive Prävention. Unternehmen haben dabei Zugriff auf eine wachsende Zahl digitaler Angebote, die sich grob in drei Gruppen zusammenfassen lassen.

  • Motivation zur Prävention mittels Apps: Erst kürzlich hat mit Endomondo eine der führenden Fitness-Apps ihr Employee Fitness Programm gestartet.  Der dänische Anbieter folgt damit US-Startups wie z.B. Keas. Durch die Angebote machen sich die Arbeitgeber die Motivationshebel der Fitness-Apps (insbes. Gamification und Social) zunutze, um bei ihren Mitarbeitern ein gesünderes Verhalten zu fördern.
  • Online-Marktplatz für Fitness-Angebote: Im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung können deutsche Betriebe jedem Mitarbeiter bis zu 500€ im Jahr zukommen lassen. Anbieter wie Fitogram oder MachtFit bieten Unternehmen einen digitalen Marktplatz, über den Mitarbeiter dieses Budget bei Partnern (z.B. Fitness-Studios) ausschöpfen können. Die Betriebe schaffen so für ihre Mitarbeiter nicht nur Anreize, sondern bieten auch einen einfachen Zugang – und das ohne große Komplexität.
  • Identifikation von stress-bedingtem Handlungsbedarf: Stress kann krank machen. In Unternehmen kann sich das Stress-Level allerdings von Abteilung zu Abteilung deutlich unterscheiden. Auch ist der Einfluss nicht auf jeden Mitarbeiter gleichermaßen negativ. Hier setzt das in München und London beheimatete Startup SOMA Analytics an: Durch Auswertung der Smartphone-Nutzung erkennt die SOMA-Software das Stress-Level einzelner Mitarbeiter und gibt gezielt Hilfestellung zur Stress-Reduktion.

Digital Health bietet Unternehmen neue Möglichkeiten, um pro-aktiv die Mitarbeiter-Gesundheit zu fördern und Mitarbeiter darin zu unterstützen, Risiken frühzeitig zu erkennen und zu adressieren. Abzuwarten bleibt, wie schnell sich die Betriebe im größeren Umfang der neuen Möglichkeiten bedienen werden.

Deutsche Digital Health Startups locken Investoren

Deutsche Digital Health Investments nehmen zuDie zunehmende Zahl von Digital Health Startups im deutschsprachigen Raum lässt eine wachsende Zahl von Investoren auf den Plan treten. Wir haben uns die Investorenlandschaft angesehen und drei Trends identifiziert, die weiteres Wachstum erwarten lassen:

  1. Business Angels entdecken Digital Health: Mit Dr. Johann („Hansi“) Hansmann (z.B. MySugr, Diagnosia) , verfügt die österreichische Szene über einen der erfahrensten Digital Health Investoren im deutschsprachigen Raum. Aber auch deutsche Internet-Investoren wie Christophe Maire, Martin Sinner und Lucas von Cranach investieren inzwischen in das Thema Gesundheit.
  2. Entstehung spezialisierter Investoren: Innovative Startups wie BetterDoc konnten den DocCheck-Gründer Dr. Frank Antwerpes überzeugen, mit Guano ein spezialisiertes Investment-Vehikel aus der Taufe zu heben. Auch CompuGroup Gründer Frank Gotthardt glaubt an innovative digitale Gesundheitslösungen: Mit XLHealth möchte er sich als Inkubator, Accelerator und Investor an Startups beteiligen. Für die nächsten drei Jahre plant er dabei ein Investitionsvolumen von 50 Mio. €. Und mit Peppermint’s Investment in Emperra unternimmt auch ein etablierter MedTech/BioTech-Investor seine ersten digitalen Gesundheits-Investments.
  3. Digital Health als strategische Priorität für Konzerne: Für die Deutsche Telekom ist e-Health bereits heute ein strategisches Konzerngeschäftsfeld. Über Ihren VC-Ableger T-Venture ist sie z.B. bei BodyTel investiert. Über ihr Accelerator-Programm hub:raum unterstützt sie das Dermatologie-Startup goderma und den Anamnese-Anbieter PocketAid. Ähnlich erklärt sich die Allianz-Versicherung mittels ihres Digital Accelerators als Anlaufstelle für Gesundheits-Startups. Und auch erste deutsche Pharmaunternehmen engagieren sich:  So unterstützt z.B. Boehringer-Ingelheim über seinen US-Arm den US-Accelerator RockHealth.

Auch wenn der Nachholbedarf gegenüber dem boomenden US-Markt noch immens bleibt, scheint die Ausgangssituation für digitale Gesundheits-Startups im deutschsprachigen Raum bereits jetzt besser zu sein als je zuvor.