Überblick Datenschutzanforderungen (Gesundheits-)Apps

Datenschutzs für (Gesundheits-)AppsDer Datenschutz ist wohl eines der unbefriedigensten Themen für Anbieter von Online-Diensten: Mustergültiges Verhalten taugt kaum, um selbst positiv aufzufallen, das Fehlverhalten anderer hingegen schürt generelles Misstrauen gegen alle Angebote. Jüngster Aufreger: WhatsApp ändert seine Nutzungsbedingungen ohne die Nutzer zu informieren und ihr Einverständnis abzufragen. Doch zumindest für in Deutschland ansässige Anbieter gibt es klare Spielregeln. Die Orientierungshilfe des Düsseldorfer Kreises vom Juni 2014 gibt zu diesen einen guten Überblick und geht auch explizit auf Gesundheits-Apps ein. Ausgewählte Erkenntnisse im Überblick:

  • Information des Nutzers zur Verwendung der Daten: Vor der erstmaligen Nutzung ist der Nutzer durch Datenschutzbestimmungen über die erhobenen Daten und muss deren Verwendung zustimmen. Dabei muss auch der Zweck der App definiert sein, denn nur von diesem Zweck abgeleitete Daten dürfen überhaupt erhoben werden.
  • Tracking des Nutzers: Die Verfolgung des Nutzers über eindeutige Gerätenummern, IP-Adressen o.ä. ist nicht erlaubt. Grundsätzlich muss der Nutzer die Möglichkeit haben, ein etwaiges Tracking zu deaktivieren. Beim Ad-Tracking bietet Apple eine entsprechende Deaktivierung seit iOS7 auf Systemebene an und baut den Schutz der Privatsphäre mit iOS8 noch weiter aus.
  • Besondere Anforderungen an Gesundheits-Apps: Gesundheitsdaten zählen zu der Gruppe Daten mit „besonderem Schutzbedarf“. Für Entwickler bedeutet dies den konsequenten Einsatz von Verschlüsselung sowie ggf. die Integration zusätzlichen Authentifizierungsschwellen, um die Daten vor dem Zugriff unberechtigter Dritter zu schützen. Sofern eine App mit Patientendaten im gesetzlichen Sinne umgeht, sin die Anforderungen noch höher.

Die gut 30-seitige Orientierungshilfe beschreibt verständlich die Anforderungen und zeigt, dass der Nutzer in Deutschland sehr gut vor Missbrauch seiner Daten geschützt ist – theoretisch. Beispiele wie WhatsApp zeigen, dass konsequenter Datenschutz in der Praxis international einheitliche Mindesstandards erfordert.

Dass sich auch jenseits der Regulierung etwas tut, hat Apple mit der Veröffentlichung der jüngsten iOS8-Beta gezeigt. Im Rahmen dieser hat der Konzern auch die Nutzungsbedingungen für HealthKit angepasst: Eine Verwendung der Daten für nicht-gesundheitliche Zwecke – also z.B. zur Zuspielung von Werbung – schließt Apple nun explizit aus. Ein deutliches Zeichen für die Wichtigkeit des Nutzervertrauens für den Erfolg digitaler Gesundheitsangebote.

 

HealthKit: Apple schafft Grundlage für Boom bei Gesundheits-Apps


Das Echo auf Apple’s Ankündigung von HealthKit war gemischt: Für die einen ist es revolutionär, für andere nur ein weiterer Anlauf. Aus unserer Sicht hat Apple gerade mit Blick auf die Entwickler alles richtig gemacht und wird mit HealthKit Gesundheits-Apps in den Massenmarkt befördern. Dafür sehen wir sechs Gründe: „HealthKit: Apple schafft Grundlage für Boom bei Gesundheits-Apps“ weiterlesen

Deutsche Digital Health Startups locken Investoren

Deutsche Digital Health Investments nehmen zuDie zunehmende Zahl von Digital Health Startups im deutschsprachigen Raum lässt eine wachsende Zahl von Investoren auf den Plan treten. Wir haben uns die Investorenlandschaft angesehen und drei Trends identifiziert, die weiteres Wachstum erwarten lassen:

  1. Business Angels entdecken Digital Health: Mit Dr. Johann („Hansi“) Hansmann (z.B. MySugr, Diagnosia) , verfügt die österreichische Szene über einen der erfahrensten Digital Health Investoren im deutschsprachigen Raum. Aber auch deutsche Internet-Investoren wie Christophe Maire, Martin Sinner und Lucas von Cranach investieren inzwischen in das Thema Gesundheit.
  2. Entstehung spezialisierter Investoren: Innovative Startups wie BetterDoc konnten den DocCheck-Gründer Dr. Frank Antwerpes überzeugen, mit Guano ein spezialisiertes Investment-Vehikel aus der Taufe zu heben. Auch CompuGroup Gründer Frank Gotthardt glaubt an innovative digitale Gesundheitslösungen: Mit XLHealth möchte er sich als Inkubator, Accelerator und Investor an Startups beteiligen. Für die nächsten drei Jahre plant er dabei ein Investitionsvolumen von 50 Mio. €. Und mit Peppermint’s Investment in Emperra unternimmt auch ein etablierter MedTech/BioTech-Investor seine ersten digitalen Gesundheits-Investments.
  3. Digital Health als strategische Priorität für Konzerne: Für die Deutsche Telekom ist e-Health bereits heute ein strategisches Konzerngeschäftsfeld. Über Ihren VC-Ableger T-Venture ist sie z.B. bei BodyTel investiert. Über ihr Accelerator-Programm hub:raum unterstützt sie das Dermatologie-Startup goderma und den Anamnese-Anbieter PocketAid. Ähnlich erklärt sich die Allianz-Versicherung mittels ihres Digital Accelerators als Anlaufstelle für Gesundheits-Startups. Und auch erste deutsche Pharmaunternehmen engagieren sich:  So unterstützt z.B. Boehringer-Ingelheim über seinen US-Arm den US-Accelerator RockHealth.

Auch wenn der Nachholbedarf gegenüber dem boomenden US-Markt noch immens bleibt, scheint die Ausgangssituation für digitale Gesundheits-Startups im deutschsprachigen Raum bereits jetzt besser zu sein als je zuvor.

Gesünder durch Apps: Fünf innovative Motivationsansätze

Möhre am StockViele digitale Gesundheitsangebote setzen auf (Sekundär-)Prävention durch gesünderes Verhalten. So machen präventive Kategorien wie Fitness, Ernährung oder Compliance/Adhärenz eine wesentlichen Teil des Gesundheitsangebotes der App-Stores aus. Wie wirksam die Ansätze sein können, zeigen erste Studien. Wir haben einen „Kassensturz“ der aktuell im Markt sichtbaren Motivationsansätze gemacht – nicht nur im Gesundheitsbereich. Dabei haben wir fünf Ansätze identifiziert, die aus unserer Sicht das Potenzial haben, Patienten alleine oder in Kombination zu gesünderem Verhalten zu motivieren:

  1. Live Feedback: Direkte Rückmeldungen zum eigenen Handeln verändern das Verhalten: So bewirkt z.B. die bloße Messung und Anzeige der Geschwindigkeit ein langsameres Fahren. Apps wie MyFitnessPal und das (inzwischen eingestellte) 100plus nutzen diesen Mechanismus.
  2. Gamification: Gute Spiele fesseln. Dieses Prinzip machen sich Apps wie der MySugr  Companion oder SuperBetter zunutze: Durch Schaffung eines spielerischen Kontexts geben sie dem Patienten eine Mission und halten ihn dauerhaft am Ball.
  3. Gratification: Bonuspunkte haben sich nicht nur in der Luftfahrtindustrie bewährt: Apps wie ShopKick motivieren Nutzer zum Kauf durch ortsbasierte Zuspielung von Angeboten. Diesen Mechanismus nutzt auch MangoHealth: Patienten die ihre Therapie konsequent umsetzen, erhalten Einkaufsgutscheine. In diesem Zusammenhang auch interessant ist die App Pact (früher GymPact): Nutzer zahlen in einen Topf ein, aus dem wiederum Nutzer für das Erreichen Ihrer Fitness- oder Ernährungsziele („Pacts“) bezahlt werden.
  4. UI/UX (User Interface / User Experience): Eine durchdachte, attraktive Nutzerschnittstelle kann lästige Tätigkeiten erfreulicher machen. So macht das lästige sortieren des Posteingangs mit der App Mailbox beinahe Spaß. Apps wie Wunderlist definieren sich sogar primär über die einfache und ansprechende Bedienbarkeit.
  5. Social: Wie stark soziale Interaktion fesseln kann, zeigen die Nutzungsstatistiken von Facebook. Angebote wie Audax Zensey und Dacadoo nutzen soziale Komponenten, um Gruppendynamik zu erzeugen. Auf PatientsLikeMe führen z.B. unter ALS leidende Patienten detaillierte Patiententagebücher, um sich auf Basis ihrer Beschwerden und Medikamente mit anderen Betroffenen zu vernetzen.

Für sich genommen und konsequent umgesetzt bietet jeder der beschriebenen Ansätze aus unserer Sicht bereits ein großes Potenzial. Gut kombiniert haben sie das Zeug, viele Menschen zur Prävention zu motivieren die Gesundheit im großen Stil zu verbessern.

Arzneimittelhersteller erproben digitale Therapien auf Rezept

Mit Hilfe des Online-Angebots deprexis wollen Unternehmen und Forschungseinrichtungen depressiv Erkrankte behandeln. Um die positiven Effekte weiter zu belegen, sollen bis 2015 1.000 Patienten im Rahmen einer weiteren Studie behandelt werden.

Beim genaueren Hinsehen zeigt deprexis dabei spannende Trends auf:

  • Von medialem Content zu interaktiven Angeboten: Entwickelt wurde deprexis anscheinend federführend vom Hamburger Unternehmen GAIA AG. GAIA’s knapp gefasste Website lässt auf einen Fokus auf (multimediale) Informationsprogramme für Ärzte und Patienten schließen. Bei den patienten-orientierte Programme scheint dabei der Schwerpunkt auf Adhärenz bzw. Compliance zu liegen. Ein interaktives Angebot für Patienten wie deprexis stellt dabei eine spannende Weiterentwicklung zu den bisherigen, Content-fokussierten Angeboten wie z.B. Aufklärungs-DVDs dar.
  • Pharma-Industrie experimentiert mit digitalen Angeboten: Herausgeber von deprexis ist der Arzneimittelhersteller Merz Pharmaceuticals. Der Versuch, „digitale Wirkstoffe“ bzw. „digitale Therapien“ am Markt zu etablieren erscheint dabei als innovative strategische Antwort auf die zunehmende Ergebniserosion der Arzneimittelhersteller.
  • Krankenkassen erstatten digitale Angebote: Mehrere Krankenkassen zahlen für ihre Mitglieder die Teilnahme an deprexis. Beispielhaft seien hier die mhplus Krankenkasse sowie die dak und die Allianz zu nennen.  Die Gebühren je Nutzer betrugen im Oktober 2012 rund 280 Euro, wobei einige Marktteilnehmer davon ausgehen, dass die Gebühren inzwischen angehoben wurden.

Sollte deprexis zukünftig auf breiter Ebene durch die Kassen erstattet werden, könnte dies der Entwicklung digitaler Gesundheitsangebote in Deutschland in Zukunft deutlichen Rückenwind geben. In einem solchen Fall scheint ein Markteintritt der etablierten Pharmaunternehmen in den Digital Health Markt nur eine Frage der Zeit. In den USA strecken einige dieser Spieler bereits sichtbar ihre Fühler aus (siehe z.B. Corporate-Partner auf der Partner-Liste von RockHealth)

Schwer zu definieren: Digital Health, Health 2.0, et al.

Im noch jungen Markt für digitale Geschäftsmodelle im Gesundheitsbereich ist es leicht, den Überblick über die (nicht ganz überlappungsfreien) Definitionen zu verlieren. Für einen ersten Überblick im Folgenden einige Denkansätze:

  • Health 2.0 – Verhaltensänderung beim Individuum: Esther Dyson grenzt Health 2.0 vor allem gegen Healthcare (Health 1.0) ab: Nach ihrer Definition geht es bei Health 2.0 um Modelle, die den einzelnen Patienten dazu motivieren, sich gesünder zu verhalten (Video).
  • Digital  Health (1/2) – Die Früchte der Digitalisierung: Nach der Definition des World Economic Forum verleibt sich Digital Health alle Vorteile aus der Anwendung fortschrittlicher Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitsbereich ein, d.h. aus der Sammlung, dem Teilen und dem Verwenden von Informationen, die Gesundheit oder das Gesundheitswesen verbessern können.
  • Digital Health (2/2) – Die Verbindung zwischen Technologie und Medizin: Von Krankenhausmanagement über die elektronische Gesundheitsakte bis hin zu Fitness-Trackern: RockHealth sieht Digital Health als Äquivalent zu technologischer Innovation im Gesundheitbereich – und geht damit noch weiter als das WEF.
  • mHealth – Alles, was mobil ist: Die mHealth Alliance definiert mHealth als mobile Geräte, z.B. Handys, Patientenüberwachungsgeräte, Tablets, PDAs, etc, die die Medizin oder das Gesundheitswesen unterstützen.

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