Digital Health 2014: Diese Startups bringen frischen Wind ins deutsche Gesundheitssystem

Vor einem knappen Jahr hatten wir das erste Mal die Landkarte der deutschsprachigen Gesundheits-Startups veröffentlicht. Inzwischen haben wir 33 anstatt von 20 Unternehmen auf unserer Liste, und das trotz einiger Abgänge – höchste Zeit also für ein Update. Natürlich sind nicht alle neu gelisteten Startups Neugründungen. An dieser Stelle danke für die Hinweise nach der letzten Veröffentlichung – Tips werden auch weiter gerne genommen.

Auch wenn wir dieses Mal ein wenig tiefer bohren (siehe Auswertungen unten), so bleiben wir unserem Suchraster treu: Auch in der aktuellen Ausgabe lassen wir Arztbewertungs- und Terminbuchungsportale außen vor, obwohl auch hier neue Anbieter wie z.B. PatientsBest das Feld betreten.

Digital Health Startup-Landkarte Deutschland Österreich Schweiz 2014

Um die gezeichnete Landschaft noch besser zu verstehen, haben wir uns ausgewählte strukturelle Daten zu den Unternehmen und Geschäftsmodellen angesehen. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

Durchschnittsalter 3 Jahre

Digital Health mag in den letzten beiden Jahren in DACH an Fahrt gewonnen haben, die Wurzeln liegen jedoch weiter zurück: Im Schnitt sind deutsche Gesundheits-Startups fast drei Jahre alt. „Digital Health 2014: Diese Startups bringen frischen Wind ins deutsche Gesundheitssystem“ weiterlesen

Überblick Datenschutzanforderungen (Gesundheits-)Apps

Datenschutzs für (Gesundheits-)AppsDer Datenschutz ist wohl eines der unbefriedigensten Themen für Anbieter von Online-Diensten: Mustergültiges Verhalten taugt kaum, um selbst positiv aufzufallen, das Fehlverhalten anderer hingegen schürt generelles Misstrauen gegen alle Angebote. Jüngster Aufreger: WhatsApp ändert seine Nutzungsbedingungen ohne die Nutzer zu informieren und ihr Einverständnis abzufragen. Doch zumindest für in Deutschland ansässige Anbieter gibt es klare Spielregeln. Die Orientierungshilfe des Düsseldorfer Kreises vom Juni 2014 gibt zu diesen einen guten Überblick und geht auch explizit auf Gesundheits-Apps ein. Ausgewählte Erkenntnisse im Überblick:

  • Information des Nutzers zur Verwendung der Daten: Vor der erstmaligen Nutzung ist der Nutzer durch Datenschutzbestimmungen über die erhobenen Daten und muss deren Verwendung zustimmen. Dabei muss auch der Zweck der App definiert sein, denn nur von diesem Zweck abgeleitete Daten dürfen überhaupt erhoben werden.
  • Tracking des Nutzers: Die Verfolgung des Nutzers über eindeutige Gerätenummern, IP-Adressen o.ä. ist nicht erlaubt. Grundsätzlich muss der Nutzer die Möglichkeit haben, ein etwaiges Tracking zu deaktivieren. Beim Ad-Tracking bietet Apple eine entsprechende Deaktivierung seit iOS7 auf Systemebene an und baut den Schutz der Privatsphäre mit iOS8 noch weiter aus.
  • Besondere Anforderungen an Gesundheits-Apps: Gesundheitsdaten zählen zu der Gruppe Daten mit „besonderem Schutzbedarf“. Für Entwickler bedeutet dies den konsequenten Einsatz von Verschlüsselung sowie ggf. die Integration zusätzlichen Authentifizierungsschwellen, um die Daten vor dem Zugriff unberechtigter Dritter zu schützen. Sofern eine App mit Patientendaten im gesetzlichen Sinne umgeht, sin die Anforderungen noch höher.

Die gut 30-seitige Orientierungshilfe beschreibt verständlich die Anforderungen und zeigt, dass der Nutzer in Deutschland sehr gut vor Missbrauch seiner Daten geschützt ist – theoretisch. Beispiele wie WhatsApp zeigen, dass konsequenter Datenschutz in der Praxis international einheitliche Mindesstandards erfordert.

Dass sich auch jenseits der Regulierung etwas tut, hat Apple mit der Veröffentlichung der jüngsten iOS8-Beta gezeigt. Im Rahmen dieser hat der Konzern auch die Nutzungsbedingungen für HealthKit angepasst: Eine Verwendung der Daten für nicht-gesundheitliche Zwecke – also z.B. zur Zuspielung von Werbung – schließt Apple nun explizit aus. Ein deutliches Zeichen für die Wichtigkeit des Nutzervertrauens für den Erfolg digitaler Gesundheitsangebote.

 

Q2/2014: Rekordzufluss von Venture Capital für Digital Health

Im zweiten Quartal 2014 flossen laut RockHealth ca. 1,6 Mrd. USD Venture Capital in Digital Health Startups – und damit ein Rekordbetrag: Das zweite Quartal 2014 übersteigt das Vorjahresquartal um 230%. Bereits zum Halbjahr überschreiten die Investitionen in den USA damit jene knapp 2 Mrd. USD, die im Gesamtjahr 2013 investiert wurden. Seit 2011 beträgt das jährliche Wachstum im Schnitt über 100%. Dabei finden der hohe Zufluss an Seed-Kapital noch nicht einmal Berücksichtigung, da RockHealth nur Finanzierungsrunden mit einem Volumen von mehr als 2 Mio. USD berücksichtigt. Andere Quellen wie StartupHealth sprechen sogar von Investitionen in Höhe von 3,3 Mrd. USD im ersten Halbjahr 2014.

Digital Health Funding USA, Q1 2011-2014

Ein Blick in die auf Slideshare verfügbare Präsentation von RockHealth zeigt die Treiber des Wachstums:

  • Große Transaktionen: Von 2,3 Mrd. USD Finanzierungsvolumen entfallen alleine ein Drittel auf die acht größten Transaktionen mit Finanzierungsvolumen zwischen 54 und 135 Mio. USD.
  • Große Seed-Finanzierungsrunden: Seed-Runden mit Volumnia über 2 Mio. USD sind in Deutschland nicht an der Tagesordnung. In den USA machten solche Finanzierungsrunden in der ersten Hälfte des Jahres 2014 mach 57% der Gesamtinvestitionen aus.
  • Wachsende Dynamik an der Ostküste: Während 36 von 143 betrachteten Transaktionen auf das Silicon-Valley entfallen, haben sich Boston und New York mit zusammen 31 Transaktionen zum veritablen Wachstumstreiber entwickelt.

Begleitet werden diese Trends von einem sich verschiebenden Investorenprofil: Während Crowdfunding-Plattformen wie Indiegogo an Bedeutung verlieren, zählen große Namen wie Qualcomm Ventures oder Andreesen Horowitz inzwischen zu den aktivsten Digital Health Investoren.

HealthKit: Apple schafft Grundlage für Boom bei Gesundheits-Apps


Das Echo auf Apple’s Ankündigung von HealthKit war gemischt: Für die einen ist es revolutionär, für andere nur ein weiterer Anlauf. Aus unserer Sicht hat Apple gerade mit Blick auf die Entwickler alles richtig gemacht und wird mit HealthKit Gesundheits-Apps in den Massenmarkt befördern. Dafür sehen wir sechs Gründe: „HealthKit: Apple schafft Grundlage für Boom bei Gesundheits-Apps“ weiterlesen

EU-Studie: eHealth erreicht Allgemeinärzte, Deutschland mit Potenzial

Die EU hat in einer großangelegten Studie die eHealth-Durchdringung bei Allgemeinärzten (‚General Practitioners‘ bzw. ‚GPs‘) erhoben. Das Fazit: eHealth setzt sich auch bei Allgemeinärzten bzw. Hausärzten zunehmend durch. Im Ländervergleich bewegt sich Deutschland dabei im hinteren Mittelfeld.

Im Vergleich zu einer Vorgängerstudie von 2007 hat sich die eHealth-Durchdringung um insgesamt ca. 50% erhöht. Getrieben wird dies vor allem vom (in Deutschland nicht verfügbaren) eRezept sowie einem zunehmenden digitalen Datenaustausch zu administrativen Zwecken:

EU eHealth-Studie: Relative Zunahme eHealth-Durchdringung 2007-2013 (Allgemeinärzte)

 

Auch in Deutschland ist die Durchdringung seit 2007 deutlich gewachsen, mit 31% aber unterproportional. Von den insgesamt 31 untersuchten Ländern landet Deutschland damit auf Platz 17 und so unter dem EU-Durchschnitt:

eHealth adoption among EU GPs: Composite Index

 

Deutschland im Detailvergleich

Die Gesamtbewertung je Land ist das Ergebnis einer Befragung von ca. 9.000 Allgemeinärzten im Zeitraum Januar bis März 2013. Wir haben uns die vier Befragungsdimensionen und das jeweilige Abschneiden Deutschlands genauer angesehen:

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Q1/2014: VC-Investitionen in Digital Health 87% über Vorjahr

Im ersten Quartal 2014 flossen in den USA beinahe 700 Mio. USD Venture Capital in Digital Health Startups. Damit hat Q1/2014 das bisherige Rekordquartal (Q3/2013) abgelöst. Dabei berücksichtigen auch die jüngsten Zahlen von Rock Health nur Finanzierungsrunden mit einem Volumen >2 Mio. USD. Seit 2011 beträgt das durchschnittliche Wachstum damit beeindruckende 64%.

Digital Health Funding USA, Q1 2011-2014

Der Zuwachs von 87% gegenüber dem Vorjahresquartal hat vor allem zwei Treiber:

  • Steigende „Ticketgrößen“: Die durchschnittliche Finanzierungsrunde belief sich in Q1/2014 auf über 13 Mio. USD. Im Gesamtjahr 2013 lag dieser Wert bei 10 Mio. USD. Die größte Finanzierungsrunde landete der Disease Management-Anbieter MedHOK (Medical House of Knowledge) mit 77,5 Mio. USD, unter anderem von Bain Capital Ventures.
  • Zusätzliche Wachstumskategorien: Durch die Reformen im US-Gesundheitsmarkt fließen zunehmend Investitionen in innovative Administrationslösungen für die Versicherungswirtschaft (120 Mio. USD). Gleichzeitig zeigen die Wachstumstreiber der Vergangenheit (Analytics und Big Data, Telemedizin) eine unverändert hohe Dynamik.

Bisher sieht es also so aus, als ob 2014 ein weiteres Rekordjahr für Digital Health in den USA markieren könnte. Und auch in Deutschland rückt das Digital Health zunehmend auf die Investoren-Agenda – auch wenn die Maßstäbe bisher kaum vergleichbar erscheinen.

„Die Internetmedizin steht da, wo Handys vor 20 Jahren standen“ – Dr. Markus Müschenich im Interview

Dr. Markus Müschenich
Dr. Markus Müschenich

Das Internet macht zunehmend gesund: Eine Vielzahl von Anwendungen motiviert Patienten zu einem gesünderen Lebensstil oder unterstützt ärztlich verordnete Therapien. Weiter noch gehen Anwendungen, die unter dem Begriff „Internetmedizin“ gruppiert werden: Sie ergänzen nicht bestehende Verfahren, sondern können Arztbesuche ersetzen oder gar einen gänzlich neuen Therapieansatz darstellen. So bietet beispielsweise das Hamburger Startup Tinnitracks eine digitale Tinnitus-Therapie per mp3-Player. Dr. Markus Müschenich ist Vorstand des Bundesverbands Internetmedizin und stand uns Rede und Antwort zu Potenzial und Herausforderungen dieses innovativen Digital Health Segments:

Herr Dr. Müschenich, wie würden Sie Internetmedizin in einem Satz definieren?
Es gibt eine offizielle Definition, die lautet:

Internetmedizin bezeichnet die interaktive Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Krankheiten und Verletzungen unter Nutzung des Internets und seiner Applikationen [1]

Diese Definition orientiert sich an der Diktion des Sozialgesetzbuchs und zeigt, dass Internetmedizin keine alternative Medizin ist, sondern die nächste Evolutionsstufe dessen, was wir alle zeitlebens kennengelernt haben. Wesentlich alltagstauglicher ist diese Definition:

Internetmedizin ist Gesundheitsversorgung nach dem iPhone-Prinzip. Also vernetzte Medizin in Echtzeit, alltagstauglich und der Patient bestimmt den Prozess.

Durch Vernetzung gibt die Internetmedizin dem Patienten somit nicht nur Zugang zu Informationen, sondern „„Die Internetmedizin steht da, wo Handys vor 20 Jahren standen“ – Dr. Markus Müschenich im Interview“ weiterlesen

Apps & Co. auf Rezept

Auf RezeptDigitale Therapie auf Rezept? In den USA gibt es erste Beispiele, dass das funktionieren kann. BlueStar des Anbieters WellDoc ist ein App- und Webgestütztes Patientenbetreuungsprogramm, das Diabetiker informiert, trainiert und motiviert. Bereits im Sommer 2013 hatte WellDoc die Erstattungsfähigkeit von BlueStar angekündigt. Und auch bei den „Wearables“ gibt es erste Beispiele: So erstattet der US-Versicherer Aetna seit Januar 2014 die Kosten für das Zio Patch, ein Pflaster zur Langzeit-Aufzeichnung der Herzfrequenz. Zum Einsatz kommen soll das Zio Patch z.B. zur Identifikation möglicher Herzrhytmusstörungen.

Auch in Deutschland gibt es zunehmend digitale Angebote, die eine Erstattungsfähigkeit anstreben. Gerade für diagnostische Angebote wie z.B. das von goderma oder therapeutische Angebote wie das der Caterna Sehschule oder das von tinnitracks erscheint eine Erstattung naheliegend. Entscheidend wird dabei sein, dass sich die Angebote für die Kassen nicht nur als nachweislich wirksam erweisen, sondern auch nachweisbare Kostenvorteile bieten, am besten bereits kurzfristig.

Betriebliche Gesundheitsförderung mit Digital Health

Healthbytes: Betriebliches GesundeheitsmanagementUnternehmen entdecken zunehmend das Potenzial digitaler und mobiler Angebote, um ihre Belegschaft gesund zu halten. Und das aus gutem Grund: Eine Reduzierung krankheitsbedingter Ausfälle ist bares Geld Wert. Im US-Versicherungssystem profitieren Arbeitgeber durch niedrigere Versicherungskosten noch zusätzlich von gesunden Mitarbeitern – und haben somit einen weiteren direkten Anreiz für effektive Prävention. Unternehmen haben dabei Zugriff auf eine wachsende Zahl digitaler Angebote, die sich grob in drei Gruppen zusammenfassen lassen.

  • Motivation zur Prävention mittels Apps: Erst kürzlich hat mit Endomondo eine der führenden Fitness-Apps ihr Employee Fitness Programm gestartet.  Der dänische Anbieter folgt damit US-Startups wie z.B. Keas. Durch die Angebote machen sich die Arbeitgeber die Motivationshebel der Fitness-Apps (insbes. Gamification und Social) zunutze, um bei ihren Mitarbeitern ein gesünderes Verhalten zu fördern.
  • Online-Marktplatz für Fitness-Angebote: Im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung können deutsche Betriebe jedem Mitarbeiter bis zu 500€ im Jahr zukommen lassen. Anbieter wie Fitogram oder MachtFit bieten Unternehmen einen digitalen Marktplatz, über den Mitarbeiter dieses Budget bei Partnern (z.B. Fitness-Studios) ausschöpfen können. Die Betriebe schaffen so für ihre Mitarbeiter nicht nur Anreize, sondern bieten auch einen einfachen Zugang – und das ohne große Komplexität.
  • Identifikation von stress-bedingtem Handlungsbedarf: Stress kann krank machen. In Unternehmen kann sich das Stress-Level allerdings von Abteilung zu Abteilung deutlich unterscheiden. Auch ist der Einfluss nicht auf jeden Mitarbeiter gleichermaßen negativ. Hier setzt das in München und London beheimatete Startup SOMA Analytics an: Durch Auswertung der Smartphone-Nutzung erkennt die SOMA-Software das Stress-Level einzelner Mitarbeiter und gibt gezielt Hilfestellung zur Stress-Reduktion.

Digital Health bietet Unternehmen neue Möglichkeiten, um pro-aktiv die Mitarbeiter-Gesundheit zu fördern und Mitarbeiter darin zu unterstützen, Risiken frühzeitig zu erkennen und zu adressieren. Abzuwarten bleibt, wie schnell sich die Betriebe im größeren Umfang der neuen Möglichkeiten bedienen werden.

Digital Health: Europäische Konferenzen in 2014

Visual Digital Health Konferenzen Europa 2014Das Wachstum des digitalen Gesundheitssektors schlägt sich in einer zunehmenden Zahl an Veranstaltungen wieder, wie z.B. kürzlich dem Digital Health Summit auf der CES. Wir haben  zusammengetragen, wo sich die Marktteilnehmer in 2014 in Europa treffen:

Veranstaltung Ort Datum
ALEC 2014 Norrbotten (SE) 4. – 5. Februar 2014
Mobile World Congress Barcelona (ES) 24. – 27. Februar 2014
eyeforpharma Barcelona Summit Barcelona (ES) 18.-20. März 2014
MCT-Congress: Going Mobile with Clinical Trials Edinburgh (UK) 20.-21. März 2014
Innovations & Investments in Healthcare Berlin (DE) 27.-28. März 2014
Charité Entrepreneurship Summit Berlin (DE) 5.-6. Mai 2014
mHealth Summit Europe Berlin (DE) 6.-8. Mai 2014
#DigitalHealthForum London (UK) 3. Juni 2014
Digital Health Days 2014 Stockholm (SE) 25.-26. August 2014
Münchner Healthcare Forum München (DE) 19. September 2014
Medica Düsseldorf (DE) 20.-23. November 2014
Health 2.0 Europe Fall Conference London (UK) 10.-12. November 2014

Es fehlt eine europäische Veranstaltung? Wir freuen uns über Ergänzungen mittels Kommentaren und werden die Liste periodisch aktualisieren.