So brachte 2014 den Durchbruch für Digital Health

Rekordkapitalzufluss in den USA, eine stark wachsende und immer besser organisierte Schar europäischer Startups und eine zunehmende Visibilität auch beim deutschen Durchschnittsverbraucher: Rückblickend hat 2014 das Zeug zum Jahr des Durchbruchs für Digital Health – auch außerhalb der USA. Hier die Zusammenfassung der aus unserer Sicht wichtigsten Entwicklungen:

>4 Mrd. USD Digital Health Funding in den USA

Nach den jüngsten Zahlen von RockHealth sind in 2014 alleine in den USA 4,1 Mrd. USD Venture Capital in Digital Health Startups geflossen. Das fünfte Rekordjahr in Folge ist damit nicht ’nur‘ eine Verdoppelung zu 2013, sondern entspricht grob dem Gesamt-Kapitalzufluss der letzten drei Jahre. Wie immer fließen dabei in die RockHealth-Zahlen nur Finanzierungsrunden mit einem Volumen >2 Mio. USD ein.

Digital Health Funding 2010 - 2014 Full Year

Die Megathemen 2014 waren ‚Analytics / Big Data‘ (393 Mio. USD), ‚Healthcare Consumer Engagement‘ (323 Mio. USD) und ‚Digital Medical Devices‘ (312 Mio. USD). Die Liste der aktivsten Investoren liest sich wie das Who-is-Who der Venture-Capital-Branche: Kleiner Perkins, Khosla Ventures, Sequoia Capital und Andreessen Horowitz belegen die Ränge 1-4 der Finanzinvestoren. Der aktivste Fonds in 2014 war mit 10 Transaktionen aber kein reiner Finanzinvestor, sondern der Corporate VC Qualcomm Ventures. Das zunehmende Interesse von Großkonzernen zeigt sich auch bei Google: Während Google Ventures in 2012 und 2013 jeweils 9% seines Geldes in ‚Health & Life Sciences‘ anlegte, legte dieser Anteil 2014 auf 36% zu.

Health & Life Science Investments Google Ventures (2012-2014)

Hohe Dynamik in europäischer Digital Health Szene

Die stetig wachsenden VC-Investments in den USA sind schön und gut, aber was ist mit Europa? Eine vergleichbar gute Zahlenbasis zum Kapitalzufluss gibt es hierzulande leider nicht. Bei einer qualitativen Betrachtung ist die deutlich wachsende Dynamik ist dennoch unübersehbar:

  • Kritische Masse auf der Angebotsseite: Alleine in der DACH-Region hat die Anzahl von Digital Health-Startups innerhalb eines Jahres um über 50% zugelegt. Andere europäische Länder zeigen eine ähnliche Dynamik. Auf einer zunehmenden Zahl von Veranstaltungen tauscht sich die Branche untereinander sowie mit Investoren und Industrie aus. Dass sich auf großen Veranstaltungen wie der Health 2.0 Europe, der Differential Medicine oder dem Digital Health Forum auch zunehmend amerikanische Startups und Corporates tummeln, werten wir als deutlichen Indikator für die zunehmende Reife des hiesigen Marktes.
  • Digital Health erreicht die Executive Agenda: Wie hat sich die Sicht der Industrie auf Digital Health im letzten Jahr verändert? Beim Digital Health Forum 2014 fiel die Antwort des Pharma-Panels, besetzt u.a. mit Vertretern von GSK, Novartis, und Johnson & Johnson, einhellig aus: „In 2013 Digital Health was an important topic. In 2014, Digital Health has reached the Executive Agenda“. Ein Blick auf die jüngsten Aktivitäten der Corporate-Welt zeigt, dass es sich hier nicht um leere Worte handelt:
    • Mit Grants4Apps hat Bayer als erster Pharma-Hersteller einen eigenen Accelerator ins Leben gerufen.
    • Johnson & Johnson stärkt über seinen Innovations-Arm seine Innovationskraft durch Kooperation mit und Investments in Startups im Pharma- und Medtech-Sektor.
    • Versicherungen öffnen sich zunehmend dem Potenzial digitaler Innovation, sei es durch Erstattung digitaler Therapien oder, wie im Falle der Axa, durch das Aufsetzen eigener Inkubator-Programme.
  • Gesundheitssysteme öffnen sich für externe Innovation: Auch auf System-Ebene wird das Potenzial externer Innovation zunehmend erkannt. Dass sich zentral organisierte Systeme wie der englische NHS hier leichter tun, hat schon die E-Health-Studie der EU von Anfang 2014 gezeigt. Mit dem im November 2014 vorgestellten Framework for Action geht der NHS den nächsten Schritt. Auf Basis klar definierter Schnittstellen ermöglicht NHS nun Drittanbietern, digitale Dienste auf Grundlage der zentral vorliegenden NHS-Patientendaten zu entwickeln. Erste Beispiele wie das eRedbook – das Äquivalent zum deutschen Untersuchungs-Heft für Kinder – befinden sich bereits im öffentlichen Live-Test.
    Homepage eRedbook (UK)
    Das eRedbook stellt die NHS-Patientenakte eines Kindes als digitales Untersuchungsheft dar

    Aber auch in Deutschland geht es voran: Mit dem CGM Life Partner Portal hat der führende Anbieter von Arztinformationssystemen in Deutschland ebenfalls Schnittstellen für Dritt-Entwickler veröffentlicht. So können demnächst auch hierzulande Patienten von der Möglichkeit profitieren, ihre Daten in einer zunehmenden Zahl von Anwendungen nutzen zu können – vorausgesetzt ihr Arzt nutzt ein entsprechendes CGM-System.

Stark zunehmende Visibilität in Deutschland

2014 ist auch das Jahr, in dem Digital Health erstmals ins Bewusstsein der breiteren deutschen Öffentlichkeit vorgedrungen sein dürfte. Dafür verantwortlich sind aus unserer Sicht mindestens drei Treiber:

  • Eine nicht nur stetig wachsende sondern auch zunehmend besser organisierte Anbieterlandschaft, die mit dem Bundesverband Internetmedizin ein qualifiziertes Sprachrohr gefunden hat.
  • Ein zunehmendes Interesse beim Verbraucher, genährt u.a. durch einfacher transportierbare Themen wie die ‚Wearables‘.
  • Eine stark steigende Nutzung von Smartphones und Tablets auch durch ältere, häufiger mit Gesundheitsthemen konfrontierte, Bevölkerungsgruppen.

Das Ergebnis dieser Trends: Eine nie dagewesene Medien-Berichterstattung. Egal ob als Leitartikel in der Wirtschaftswoche, im Spiegel, in der FAZ oder in diversen Fachpublikationen: Kaum eine Redaktion ließ es sich entgehen, über die Chancen und Risiken digitaler Gesundheitsangebote zu berichten.

Die Zeit ist reif

Zusammenfassend scheint nun auch in Europa der Massenmarkt reif für Digital Health zu sein. Mindestens so entscheidend wie das zunehmende Verbraucherbewusstsein ist dafür die Möglichkeit einer nachhaltigen Finanzierung. Mit dem zunehmenden Interesse der Industrie gibt es nun einen fruchtbaren Boden für den Aufbau langfristig tragfähiger Geschäftsmodelle.

Im Weiteren bleibt noch zu wünschen, dass schnell viele Anbieter die Chance bekommen, sich am Markt zu beweisen. Hierfür liegt es einerseits an den Anbietern, das Verbrauchervertrauen nicht zu enttäuschen. Wünschenswert wäre darüber hinaus eine differenzierte öffentliche Debatte zu Chancen und Risiken. Denn um den richtigen Innovationen zum Durchbruch zu verhelfen, sind aufgeklärte Verbraucher weit hilfreicher als das bis dato noch zu häufig stattfindende pauschale Schüren von Ängsten vor dem Missbrauch von Gesundheitsdaten. Das Jahr 2015 wird zeigen, inwieweit Meinungsführer und Medien dieser Verantwortung gerecht werden.

 

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